Death Cab For Cutie, Muffathalle München, 21.11.2008
Vorneweg: Laut ist nicht gleichbedeutend mit gut. Dass man das trotzdem immer noch wieder erlebt, ist mir wirklich ein Rätsel. Wie kann man einer so engelsgleich sanften Band wie Death Cab nur so einen grottenschlechten Sound aufzwängen? Es war ja schon schlimm genug, dass ich am eigenen Leib erfahren musste wie leicht man selbst von Arcade Fire einen Hörsturz bekommen kann - dass ich mir bei Death Cab demonstrativ die Ohren zuhalten würde, das hätte ich selber nie für möglich gehalten und grenzt schon fast an Blasphemie. Ich fühlte mich furchtbar schlecht dabei, aber es ging nicht anders…Schade! Denn was jetzt kommt, ist der Eindruck eines Fans, den die äußeren Umstände eines Konzertes dazu bringen seine Lieblingsband schlechter zu bewerten als er es möchte.
Death Cab For Cutie
sind Helden. Das waren sie irgendwie schon immer und das werden sie
hoffentlich auch immer bleiben (Und zwar trotz der seit "The O.C."
angewachsenen Teenieschar in der Fanabteilung). Aber was am Anfang dieses
Abends fast ein wenig zu langsam und verzerrt begann, konnte mit der
Lautstärke des zweiten Drittels des Konzerts auch nicht wieder gut gemacht
werden. Die Songs klangen dann zwar besser, das Publikum wachte auf, aber
trotzdem hing mir noch der schale Nachgeschmack der ersten fünf Songs im
Rachen. Diese ersten fünf Songs waren zwar Songs, die auf den Platten
wunderbar funktionieren, aber live wirkten sie fast gelangweilt, sie
wollten sich nicht in meinem Ohr festsetzen - und das obwohl ich vor
lauter Vorfreude auf dieses Konzert am Nachmittag zuvor noch mit einem
Baum den Seitenspiegel von meinem Auto demontiert hab...
Ich war genau bis zu dem Augenblick aufgeregt und hibbelig, bis „Bixby
Canyon Bridge“ brutal aus den Boxen donnerte. Der Opener des aktuellen
Albums hat auch das Konzert eröffnet und war das erste und beste Beispiel,
wie so ein wundervoll stiller Song plötzlich klingen kann, als hätte er
gerade den Nachbarn ermordet.
Auch „The New Year“, großartiger Vertreter des großartigen Albums "Transatlanticism", klang irgendwie verpatzt. Das unerklärliche daran ist, dass die Bandmitglieder ja eigentlich alle gut drauf waren, freundlich, sympathisch und voller Motivation. Vor allem Ben Gibbard wippte immer wie ein kleines Känguruh-Baby im Rhythmus, egal ob dieser schnell oder langsam war. Man wollte ihm schon fast über das Köpfchen streicheln, ein Stöckchen werfen und „Guuuter Junge!“ rufen, so niedlich sah er dabei aus.
Erst ab „Crooked Teeth“ und „Soul Meets Body“ fühlte ich mich dann etwas besser. Endlich war von dem Death Cab-Zauber etwas spürbar, von dem alle immer reden, und man konnte sich einklinken in die Geschichten, die uns Ben Gibbard erzählt. Obwohl ich ja kein Fan von minutenlangem Geschrammel bin, ist „I Will Possess Your Heart“ einer meiner Lieblinge auf der neuen Platte und auch live waren die 4´30 Musik ohne Gesang toll. Es hat was von einem Vorspiel: es fängt unglaublich sanft und leise an, wird ganz langsam immer lauter, es kommen immer neue Töne und Instrumente hinzu. Es kitzelt dich und streichelt so lange um deine Ohren, bis du es kaum mehr erwarten kannst zum Hauptteil des Liedes zu kommen. Und auch der Hauptteil enttäuscht nicht, obwohl der Text genauso gut aus der Feder eines psychisch gestörten Stalkers kommen könnte.
Ehrlicherweise muss man zugeben, dass der Klang in der Muffathalle besser wurde, je weiter man nach hinten ging. Wir waren schlussendlich aber so weit hinten, dass ich mir noch während des Auftritts gemütlich vom Barkeeper eine Cola reichen lassen konnte ohne meinen Platz zu verlassen. Nur gesehen hab ich dabei nichts mehr. Und so traurig das auch ist: zum Death Cab hören kann ich mich auch in die Badewanne setzen, dafür muss ich mich nicht in eine überfüllte Halle voller dauerknutschender Pärchen quetschen.
ally