Von Melonen und tanzenden Ärzten
Maximo Park, München Tonhalle, 24.10.07
Da
waren wir also. Mitten in unserem spätherbstlichen Konzertmarathon
froren wir uns vor der Tonhalle die hübschen Ärsche ab und warteten
darauf, dass man uns endlich rein ließ. Ich persönlich hatte keine
großen Erwartungen, denn, und das muss ich zu meiner Schande zugeben,
ich kannte die Band nicht allzu gut. Live nur einmal gesehen, Alben in
meiner Plattensammlung auch nur eines, Fanstatus eher unter dem
Durchschnitt. Ich wollte mich einfach überraschen lassen!
Was
mir ein bisschen Angst einflößte waren die geschätzten 4 Millionen
Teenie-Girls die rund um uns herumstanden. Ich fand ziemlich bald (und
ziemlich schmerzhaft) heraus, dass es eine riesige Fanbase an kleinen
Möchtegern-Emo- Girls gibt, bewaffnet mit pinken Creolen und knallrotem
Lippenstift. Und diese Fangemeinde scheint einen Pakt zu haben, keinen
einzigen Outsider näher als 10 Meter an die Bühne heranzulassen (und
wie ich glaube, auch nicht zu nahe an Hr. Smith, aber das ist nur meine
bescheidene Vermutung...). Da wir uns aber noch nie vor einem kleinen
Catfight gedrückt haben, schafften wir es doch noch nach ganz vorne!
Die
Vorband, The Research, hat uns sehr viel Freude bereitet. Sie waren gut
aufgelegt, hatten Spaß auf der Bühne und waren äußerst freundlich zu
der Meute, die es nicht erwarten konnte dass sie wieder verschwinden.
(Leider waren die Blood Red Shoes nicht wie ankgekündigt anwesend, aber
die sind im Moment sowieso auf einem derartigen Hype-Level, das wir sie
heuer auf mindestens zwei Festivals noch sehen werden, also tut uns das
nicht allzu weh.)
Nach einer sehr kurzen Pause kamen die fünf
Jungs endlich auf die Bühne. Da war etwas explosionsartiges, als sie
anfingen zu spielen, sie gaben sofort Vollgas aus allen Ecken so dass
man kaum wusste, auf was man sich konzentrieren soll. Bald schon
fixierte sich mein Blick auf Leadsänger Paul Smith, weil er eine so
eindrucksvolle Bühnenpräsenz ausstrahlt wie selten vorher gesehen.
Luftgrätschend und über die Bühne tanzend, mit einem Gesichtsausdruck
wie ein
Schauspieler am Wiener Burgtheater (was ne gute Sache ist, für all jene die es noch nicht wussten!)
Ich
hatte das Gefühl, das keiner überhaupt mehr die Lichtshow beachtete
(sie war in grün und rot gehalten, also ist keiner der falsche
Ausdruck, zumindest ich habe es bemerkt!) ode sich noch an die Vorband
erinnern konnte, da jeder in diesem Raum von Smith's Charisma gefangen
wurde. Sogar die Jungs im hinteren Teil der Halle, die nur als
Begleitschutz für ihre Freundinnen dienten, nickten zumindest
zustimmend im Takt ihre Köpfe.
Maximo Park scheinen sehr
routiniert in ihrem Repertoire, aber in einer sehr positiven Art und
Weise, vergleichbar mit dem Arzt deines Vertrauens: du bist überzeugt
dass er weiß, was er tut und vertraust darauf, dass er alles tun wird
um dich gesund (und in diesem Falle fröhlich) zu machen. Diese Band
macht keine Fehler und trotzdem wirkt nichts einstudiert oder geplant.
Ich
bin mir ziemlich sicher, dass die Mädels in der ersten Reihe mir jetzt
nicht zustimmen werden, aber wenn man sich die Jungs genauer ansieht,
erkennt man dass Maximo Park ein Team ist und nicht von Smiths
berauschend wirbelnden
Bühnenperformance (obwohl diese natürlich
essentiell und faszinierend anzusehen ist!). Alle fünf spielen eine
wichtige Rolle. Sei es Lukas Woollers Fähigkeit, das Keyboard zu
bedienen während er mit seinem Köper überall anders ist, nur nicht in
der Nähe des Keyboards, Archis Tikus stoisches Bassspiel, bei dem er in
einer eigenen Welt zu sein scheint, Tom Englishs perfekte Drums oder
Duncan Lloyds Liebesspiel mit der Gitarre. Alles hat seinen Platz auf
der Bühne. Aber wie in jedem Theaterstück gibt es auch hier nur eine
Hauptrolle, und die hüpft heute wie ein wildgewordenes Kaninchen durch
die Gegend.
Was den Sound betrifft, ist die Tonhalle halt
einfach nicht die beste Wahl für eine Band wie Maximo Park (obwohl es
natürlich noch ein bisschen schlimmer hätte sein können in Münchens
Konzertlocations), wenn eine gute Live Performance plötzlich im
Nimmerland einer kalten Halle verschwindet. Dafür können Maximo Park
natürlich nichts, die Songs waren Live nun mal sogar noch besser als
auf einem Tonträger abgespielt, was wieder mal beweist, dass eine Band
erst in einem Konzert alle ihre musikalischen Fähigkeiten beweisen
kann. Es machte Spaß, ihnen zuzuhören und ein Teil dieser Tanzparty zu
sein! Es ist nur schade, dass wir ungefähr drei Jahre solcher Auftritte
in der Vergangenheit verpasst haben!
ah