Portugal. The Man, Rockhouse Salzburg, 18.11.2009
Oder: Less Talk – More Action!
Die Chance, Portugal.The Man in so einer kleinen Venue zu sehen, hätte man sich besser nicht entgehen lassen sollen! Das aktuelle Album „The Satanic Satanist“ gibt ordentlich Schub aufs Rockstar-Treppchen und verhilft zu einer Menge neuer Fans (zu Recht!) und die Chancen stehen gut, dass es in wenigen Jahren nur noch Hallenkonzerte von P.TM zu sehen geben wird. Dabei ist es genau dieses begrenzte Umfeld eines kleinen Raums, das der Band wahnsinnig zugute kommt. In diesem Fall ist gemeint: die in einen Berg gemauerte Bühne des Rockhouse, die tief hängenden Backsteinmauern, der Geruch nach Schimmelpilz an der feuchten Wand – das alles gibt dem psychedelischen Indie-Rock-Gemisch die nötige Konzentration und den Druck, dem man sich dann nicht mal mehr im Raucherraum vor dem Eingang entziehen konnte.
Sänger John Gourley wirkt auf den ersten Blick so zerbrechlich und schüchtern, dass man einen starken Drang verspürte ihm mal lieb und aufmunternd über das Köpfchen zu tätscheln. Er versteckt seine Augen hinter dem Schirm eines Baskenmützchens und verliert bis zum Ende der Vorstellung kein einziges Wort. Nur ab und an rutscht ihm ein Lächeln aus, wenn das Publikum ihm begeistert zujubelt. Doch man kann ihm die Schüchternheit nicht lange abkaufen, wenn man ihm beim Spielen und Singen eine Zeit lang zusieht. Haltung und Leistung könnten selbstbewusster gar nicht sein, man weiß, er fühlt sich da oben wohl in der künstlichen Sonne der bunten Laserlichter. Auch der Rest der Band lässt kein bisschen Nervosität erkennen. Bassist Zach Carother tobt sich auf der Bühne am meisten aus – nicht nur mit seinem Instrument, sondern auch körperlich. Den meisten bühnenerfahrenen „alten Hasen“ der Rockmusik wäre bei dem Anblick seiner Posen vor Neid und Selbstzweifel bestimmt speiübel.
Keyboarder Ryan Neighbors ist auch so ein Spezialfall: er sitzt da ganz rechts außen, das Keyboard tiefer gelegt, der Rücken gekrümmt, dass einem der Anblick schon fast weh tut, und manchmal sieht man in der Dunkelheit nur eine Menge Locken, die sich wie von Geisterhand schütteln. Hin und wieder hält er dann aber doch sein Gesicht ins Publikum. Wenn ihn dann die kleinen rot-grünen Laser-Lichter von hinten anstrahlen sieht er aus wie ein modernes Neon-Fresko, Titel „Hingabe zur Musik“ – denn was immer John Gourley gerade an Lyrics vorträgt, man kann es von Ryan’s Gesicht lesen wie Untertitel für Gehörlose im Fernsehprogramm.
Die Setlist war gut gewählt, logischerweise stand hauptsächlich das aktuelle Album auf dem Programm, aber auch von den Vorgänger-Platten wurden die Perlen präsentiert. Fast zum Ende hin kamen wir dann noch in den Genuss zweier Covers, und selbst ich (die Covers grundsätzlich erst mal blöd findet, weil sie meist dem Original eher weh tun) muss sagen: das waren wohl die am besten arrangierten Covers aller Zeiten! Erst Aimee Manns „One“, wunderbar zusammengesetzt aus dem weichen, melancholischen Original und der energiereicheren, kratzbürstigen Version von Portugal. The Man, an den richtigen Stellen melodisch abgewandelt und kein bisschen weniger melancholisch
Auch MGMT’s „Weekend Wars“ haben sich P.TM regelrecht angeeignet und mit einer Selbstverständlichkeit vorgetragen, als wäre es ein eigener Song den man schon tausend Mal gespielt hat. Wenn man es nicht wüsste, man würde es ihnen glauben!
ah