Southside Festival Tag 3, 22.6.2008

Aufgrund des ruhigen Vortages schafften wir es am letzten Southside-Tag tatsächlich schon um 13 Uhr aufs Gelände. Das war so früh, dass wir sogar noch Apoptygma Berzerk sehen konnten, die sich durchs Programm kämpften so gut es mit dem kleinen Publikum auf der größten Bühne eben möglich ist. Musikalisch kann ich dazu leider keinen Kommentar abgeben, da ich von den Herrschaften genau ein Lied kannte.

Danach haben wir uns in den ersten Pit gedrängt (was bei der Hitze eine wahnsinnig gefährliche Sache war) und uns The (International) Noise Conspiracy zu Gemüte geführt. Mit purpurfarbenen Samtanzügen und ner Menge Haar im Gesicht haben die Herren einen schönen Eindruck hinterlassen. Hat Spaß gemacht! Soviel Spaß, dass wir sie später auch am Autogrammstand besucht haben, wo sie uns ihren Sinn für gute Grimassen auf gestellten Fotos zeigten.

Später haben wir neben den Wombats und Subways herumgelungert und uns nur entfernt des üblichen Wombats-Subways-Publikums berieseln lassen. Zuviel Hype ist manchmal einfach zu viel des Guten…

Den richtigen Hype haben wir uns dann erst wieder bei den Kaiser Chiefs gegeben. Frontchief Ricky wirkte etwas schwach und krank, hat sich aber brav durch die Hitze und seine Setlist gekämpft. Auf dieser Setlist standen neben den üblichen Verdächtigen auch zwei neue Songs. Da das Southside einer Wüste glich, in der es stark an Wasser mangelte (spätestens um 16 Uhr war dieses ausverkauft!), schritt die Feuerwehr ein und unterbrach das Konzert ohne Vorwarnung mit einem starken Feuerwehrschlauchregen, der von allen mit Dankbarkeit angenommen wurde. Obwohl die Kaiser Chiefs weiterspielten, drehten sich alle um und bejubelten nur mehr den Feuerwehrmann. Herr Ricky sprang deshalb samt Mikro von der Bühne, sprintete nach rechts und war so schnell auf dem Feuerwehrauto, dass man es fast übersehen konnte. Dort sang er weiter, umarmte den Feuerwehrmann, bedankte sich schön bei ihm, und nach fünf Minuten war der willkommene Spaß auch schon wieder vorbei.

So gings dann auch weiter zur Blue Stage, auf der wir uns gekonnt wieder nach ganz vorne drängelten, um beim kleinen Highlight des Tages nichts zu verpassen. Jeder weiß mittlerweile schließlich, dass Maximo Park live so etwas wie das 4-Hauben-Menü der Musik sind. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Maximo Paul wischte wieder den Boden mit seinen beherzten Tanzeinlagen und Hüftschwüngen und garnierte das alles mit ein paar schönen Luftgrätschen, Maximo Lukas tanzte wieder neben seinem fast von selbst spielenden Keyboard, ohne es anständig zu berühren, Maximo Tom trommelte sich im Hintergrund wieder die Seele aus dem Leib, Maximo Duncan turtelte mit seiner großen Liebe, der Gitarre, und Maximo Archis war wieder mal kein Wimpernzucken zu entlocken. Alte wie neue Hits funktionieren gleichermaßen bei den Menschen, jeder tanzt, jeder kennt (mehr oder weniger) die Lyrics, und die Mädels in der ersten Reihe kreischten sich auch dieses Mal wieder die Stimmbänder wund nach ihrem Frontmann. Und obwohl dies alles nichts Neues ist, war es dennoch eines der besten Konzerte auf dem Southside. Offen ist nur immer noch die Frage, was der Hometrainer rechts auf der Bühne für eine Funktion hatte. Wir tippen auf ein Notstromaggregat, angesichts des am Nachmittag angekündigten Sturms. Sicher wissen wir das allerdings nicht.

Das Sahnehäubchen waren heute die Foo Fighters. Leider kamen wir so knapp, dass wir nur mehr in der äußeren Menge dahin waberten und so gut wie nichts mehr von Lord Dave sahen. War aber auch nicht weiter verwunderlich, da es das einzige Konzert um diese Zeit und gleichzeitig das letzte auf dem Festival war und jeder, wirklich jeder der noch irgendwie gerade gehen konnte, sich dorthin begab. Über die heiligen Foos kann man ja sowieso nur eines sagen: sie sind im Moment die Könige des Rock und werden es vermutlich auch immer bleiben. Wer so sympathisch so laut und dreckig sein und gleichzeitig so charmant mit seinen Bandkollegen und seinem Publikum flirten kann, hat nichts anderes verdient als den Thron.

ah