The Blood Arm, Atomic Café, München, 13.5.09
„Weird Andersson und seine lustigen Musikanten“, so irgendwie könnte der Untertitel des Abends heißen. The Blood Arm statteten München endlich wieder einen ihrer seltenen Besuche ab, und Mittelpunkt und Drehscheibe des Abends, das sei schon vorweg genommen, war einmal mehr Nathaniel Fregoso (gut möglich übrigens, dass er ein heimlicher Sprössling von Roberto Blanco und dem Duracell-Häschen ist). Rastlos, hüftkreisend und mit einem gefährlichen Lächeln auf dem mit roter Kriegsbemalung geschmückten Gesicht leitete er uns durch den Abend. Irgendwie wirkt er einfach nicht ganz richtig im Kopf, aber auf die unterhaltsame, sympathische Art und Weise. Aber von vorne:
Fast lautlos kommen sie auf die Bühne, die drei Herren und eine Dame aus Los Angeles, mit Rotweingläsern in der Hand, gut gelaunt und frisch gestriegelt. Noch einmal kurz am Glas nippen, dann geht’s ans Eingemachte! Nathaniel begrüßt erst mal einen Thomas, der im Publikum ist und wohl eine dieser treuen Seelen ist, die einer Band durchs Land folgen und sich auch schon mal persönlich vorstellen. Man widmet ihm den ersten Song, aber für mehr Smalltalk bleibt keine Zeit, erst mal wird getanzt! Nathaniel ist schon nach dem ersten Song arg durchnässt - kein Wunder bei dem Einsatz. Er hat während dieses ersten Songs bestimmt schon jeden Zentimeter der Bühne beschritten, und darüber hinaus noch ein paar Schritte ins Publikum gemacht. Das selbige brauchte auch erst mal einen Rempler vom hyperaktiven Frontmann, denn so richtig ging es noch nicht, das ausgelassene Toben in den ersten zehn Minuten. Nur vereinzelt sieht man wirklich bewegliche Gestalten, die auf die allgemeine Zurückhaltung pfeifen. Spätestens aber ab „Angela“, als Nathaniel seine Zuhörer auffordert sich doch bitte alle mal hinzusetzen, nur um es sich selber in der Mitte gemütlich zu machen, wird es lockerer. Und das haben wir wohl auch ein bisschen dem werten Booking des Atomic zu verdanken, denn obwohl es angeblich ausverkauft war, gab es während des Konzerts kein beklemmendes Sardinen-Gefühl wie sonst.
Herr Fregoso kann neben dem Singen noch etwas sehr gut: mit Frauen flirten und das Publikum mit kleinen Späßchen unterhalten. Permanent erzählt er von seinen (schief gegangenen) Frauengeschichten, fragt Menschen nach ihren Namen und singt denjenigen dann Songs aus dem Stegreif. Zwischendurch entschuldigt er sich zwar für sein Gelaber mit der Begründung, er habe den ganzen Tag gesoffen, aber wer würde dem Charmeur das denn auch übel nehmen? Er verschenkt orangene Christbäumchen und am Schluss sogar eine ganze Ananas. Denn Sinn dahinter muss man vermutlich nicht verstehen, es geht wohl hauptsächlich darum in regelmäßigen Abständen aufzufallen und die Leute zu verblüffen. Man wundert sich gemeinsam über die seltsame Ananas-Aktion auf der Bühne, während Nathaniel schon einen Schritt weiter ist und bereits den Schlangentanz zur Bar eröffnet hat. Es sind diese kleinen Eindrücke, die fesseln und manchmal sogar ein wenig von der Musik ablenken. Einer der Gründe auch übrigens, wieso ich mir ganz wenig von der Set-List merken konnte.
Was ich mit Sicherheit über die Set-List sagen kann ist, dass neben den bekannten Blood-Arm-Schlagern auch einige neue Songs in den Äther geworfen wurden. Das Album hat noch keinen Titel, geht es aber nach Nathaniel’s Versprechungen, benennt er das Album nach Carlotta, eines seiner Lieblingsmädels des Abends aus der ersten Reihe. Mal sehen, ob er sich daran später noch erinnert…
Soundtechnisch und musikalisch gab es tatsächlich nichts auszusetzen, Schlagzeug, Gitarre und Keyboard waren schön abgestimmt, hatten ein gutes Timing und erlaubten sich keine hörbaren Fehler. Trotz Nathaniels Überpräsenz konnte man dann hin und wieder seinen Blick auch auf die wunderhübsche Dyan Valdes konzentrieren, wie sie lachend das Keyboard bearbeitete, oder Schlagzeuger Zac Amos selbstbewusst die Back-Ups in hohen Lagen singen hören. Nur Gitarrist Zeb hielt sich bescheiden zurück, obwohl er das akustisch wie visuell absolut nicht müsste.
Einziges Manko: Suspicious Character war die einzige (!) Zugabe. Wenn man noch ein, zwei Songs erwartet, die Band aber plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist, ist das schon ein klein wenig enttäuschend. Da tröstet auch nicht darüber hinweg, dass Nathaniel während des gesamten Songs entweder über die Hände der Menschen getragen wurde oder an einem Pfeiler der PA von der Decke hing.
ah