Eagles Of Death Metal, Muffathalle München, 18.10.09

 

Wenn Locations wie die Muffathalle überhaupt jemandem auf den musikalischen Leib geschnitten sind, dann sicherlich nur so jemandem wie den Eagles Of Death Metal. Wo die soften Klänge einer Band wie, sagen wir mal, Death Cab for Cutie im Nirvana des kalten Gemäuers verschwinden und Tontechniker in mühevoller Schwerstarbeit das Klangloch aufmotzen müssen (sprich: Sound einfach bis zum Tinnitus-Anschlag aufdrehen), da brauchen Jesse „The Devil“ Hughes und seine strammen Musikanten nur ein verschmitztes Schnauzbart-Lächeln und einen sicheren Griff in die Leistengegend, und die Instrumente spielen sich fast von selbst in Höchstform.

This City hab ich ja leider verpasst. Aber schon vor dem Ende der zweiten Supportband Sweethead machte die Hälfte der Besucher vor der Eingangstür eine Rauchpause. Offenbar sind die Eagles-Anhänger noch nicht bereit für den selbstsicheren, dynamischen Auftritt der Frontfrau Serrina Sims, die äußerlich sehr an Lambretta Sängerin Linda Sundblad erinnert, musikalisch aber eher einer Juliette Lewis nacheifert. Unterstützt wird die blonde Sexbombe von Queens of the Stone Age Gitarrist Troy Van Leeuwen. Jesse Hughes hatte da bestimmt auch seine Freude an dem Anblick, denn dass er momentan der möglicherweise einzig wahre Frauenmagnet der Musikgeschichte ist, dürfte mittlerweile ja auch bekannt sein... Noch während dieser vorhin erwähnten Rauchpause spaziert er gemütlich durch die Menge, mit einem Lächeln für die eine Lady, einem Augenzwinkern für eine andere, und der nächsten flüstert er ein raues „Hello Baby!“ entgegen, womit die Arme vor Glückseligkeit fast in ein Wachkoma fällt.

Die Herren der Schöpfung haben es da ohne Östrogenschub beim Anblick eines Jesse Hughes wiederum ganz einfach: ein lautes „JESSEEEEE!“ in seine Richtung gegrölt und schon streckt Herr Hughes die Pommesgabel in die Höhe. Einmal noch durchs lange blonde Haar gefingert, schon ist er auch schon wieder im Backstage-Bereich verschwunden, und hinterlässt eine aufgegeilte, ungeduldige Menge, die geschlossen ihre Kippen ausdrückt und sich wieder in die Halle drängt. Denn: Wer sich nicht ganz nach vorne drängelte, war nicht dabei. Wessen Haupthaar nicht nach zehn Minuten biergetränkt war, war vermutlich mit einer Badehaube unterwegs. Wer nicht schwitzte, machte tatsächlich was falsch, und wer weder blaue Flecken noch fremde Hacken an den Beinen hatte, hat den Sinn der Veranstaltung nicht verstanden:

Mit den Eagles of Death Metal verbringt man nämlich kein langweiliges Schunkelkonzert. Da wird gerockt, und zwar nicht in der langweiligen Art und Weise, wie es heutzutage aus allen Radios dümpelt, sondern richtig! Diese Band hat verstanden, was Rock ursprünglich einmal bedeutet hat. Ihre Spielart ist rau, hart, laut und unglaublich dreckig. Dazu schaffen die Eagles Of Death Metal auch live den Spagat zwischen harten Riffs und wunderhübsch eingängigen Melodien, woran viele andere Bands kläglich scheitern. Die Lyrics werden vom Publikum textsicher mitgesungen, und zwischen den Songs werden brav die Hände in die Luft gestreckt um der Band zu sagen: Danke, das war der Wahnsinn!!!

Mit einem Frontmann wie Jesse Hughes gibt es dann noch das i-Tüpfelchen obendrauf: Der Mann weiß, wie er die Leute anheizt, wie er mit ihnen redet. Männlein wie Weiblein liegen ihm während des ganzen Konzertes zu Füßen. Mit seinen charmanten Flirts, die ihm auch den einen oder anderen neuen BH in der Sammlung verschaffen (und ja, das ist auch ein ganz wichtiger Punkt, der dem Rock schon immer ganz eng verbunden war), den lauten, frechen Ansagen, dem Dirty-Talk – und dabei bleibt er immer der sympathische, dauer-lächelnde Darling. Ich kenne wirklich niemanden, der Jesse Hughes einmal erlebt und nicht gemocht hätte. Ich wüsste auch gar nicht, wie das gehen sollte. Der einzige Wermutstropfen: Josh Homme war nicht dabei. Aber wäre der auch noch durch die vor weiblichen Hormonen triefenden Hallen gelaufen, wären die Sanitäter wohl nicht mehr mit der Wiederbelebung komatöser Frauen hinterher gekommen.

 

ally