Franz Ferdinand, Tonhalle München, 26.3.09 

Dass Franz Ferdinand eine großartige Live-Band ist, wissen mittlerweile hoffentlich alle. Dass sie von den ganzen Indie-Brit-Poppern, die Anfang der 2000er aus Großbritanniens grünem Boden schossen, eine der wenigen sind die auch nach dem dritten Album nicht enttäuschend langweilig geworden sind, ist auch nicht neu. Trotzdem riss ich mich zusammen, nicht zu viel Vorfreude auf diesen Gig aufkommen zu lassen – man weiß ja nie! Ein schlechter Tag und verkaterte Stimmung in der Band genügt, und schon ist die Stimmung einer ganzen Halle voller Menschen flöten. Schön, dass ich an diesem Abend eines besseren belehrt wurde, die Laune der Band war fantastisch!

Als die vier Glasgower mit „Matinée“ das Franz-Fest starteten, liefen wir noch durch den Regen zur Tonhalle. War aber nicht weiter schlimm, da wir sowieso nur Podiums-Karten bekommen hatten, weil scheinbar die eher unbeliebten Karten als erstes im Vorverkauf angeboten wurden. (Das war clever!) Und oben muss man sich nicht unbedingt um einen tollen Platz prügeln, denn seien wir mal ehrlich: vom Podium in der Tonhalle aus muss man nur gut hören können, nicht gut sehen. Aber es war mal interessant, das Publikum von oben zu beobachten, das Mithüpfen im Takt, die hochgerissenen Arme, die Crowdsurfer (von denen es enttäuschend wenige gab). In dem Moment, als ich mich noch wunderte wieso nicht mit einem Song vom aktuellen Album begonnen wurde, folgte auch schon der Ipod-Jingle „No You Girls“. Alex Kapranos begann spätestens da mit seinem Animationsprogramm, das wirklich furchtbar überflüssig war, da die Menge text- und taktsicher ganz von selber mitmachte.

Nach zwei älteren Songs folgte dass leicht Disco-angehauchte „Live Alone“. Viel mehr angehaucht ist da schon „Twilight Omens“, eines der absoluten Highlights der neuen Platte. Das Sample, das immer wieder vorkommt, erinnert so stark an ABBA, dass man auf der Bühne wirklich die Glitzeroutfits vermisst. Ist aber auch nicht so schlimm, wenn man sich vor allem Alex Kapranos’ und Nick McCarthy’s Bewegungen ansieht: die beiden haben noch ordentliche Oberliga-Moves drauf, bei denen allen 70er-Größen wohl schlecht vor Neid wird. Alex Kapranos könnte wahrscheinlich ohne Probleme einen Elvis-Double-Contest gewinnen, alleine durch seine Hüftschwünge und Handbewegungen (kein Wunder, dass die Mädels sich nach dem die Hälse verdrehen!).

Der Song, der den  Wärme- und Luftfeuchtigkeitspegel noch mal um einige Grad nach oben regelte, war wie üblich „Take Me Out“. Auf dieses Lied können sich einfach alle einigen, es ist tanzbar wie kein anders und macht einfach immer gute Laune. Auch schon vor 5 Jahren, als die Franzels das letzte Mal in der Tonhalle waren, war dieser Song schon der Höhepunkt des Abends.

Fulminanter Abgang in die Pause war „Ulysses“, der erste Song und gleichzeitig erste Single-Ausklopplung von „Tonight: Franz Ferdinand“, der ihre neue Experimentierfreude mit elektronischer Musik zum Vorschein brachte. Nach der Pause ging es aber noch atemloser weiter: „Jacqueline“, „What She Came For“ und „Outsiders“ ließen die Menschensuppe noch mal schön aufkochen, bevor der am elektronischsten, für Franz Ferdinand-Verhältnisse experimentellste Song „Lucid Dreams“ folgte. In der Version, in der ich sie bisher nur im Radio hörte, die auf dem Album aber eine komplett andere Teilstellen hat. Die Gründe sind mir hier verschleiert, aber wen kümmert’s, es läuft hier sowieso nur auf das Ende raus: Das wird nämlich ein kompletter 3 Minuten langer Elektropart, den man wohl eher im DJ-Set eines angesagten Nachtclubs erwarten würde. Auf der Bühne hatten die Herrschaften dafür eine nette Idee – Instrumentenwechsel in der Band, Verstärkung aus der Vorband und ganz viele zusätzliche Trommeln und Bongos, und schon ist der Love-Parade-Blue-Man-Group-Mischsalat fertig. Hier allerdings auf ca. 10 Minuten verlängert. Da Franz Ferdinand seit so vielen Jahren konstant großartige Lieder machen, verzeiht man ihnen diesen kurzen Ausflug und die Spielereien, aber mal ganz ehrlich: Länger hätte das Elektro-Geschrammel und das wilde Getrommel nicht mehr dauern dürfen!

Nick McCarthy stachelte München zusätzlich an, indem er in perfektem Deutsch klarmachte wie sehr es ihn freut wieder hier zu sein und dass das Münchner Publikum sowieso das beste der Welt ist. Umso trauriger waren wir deshalb, dass dann weder „Darts Of Pleasure“ noch „Auf Achse“ kamen, aber wieso beschweren – die Setlist war wirklich sehr schön durchgemischt mit Songs von allen Alben, da sollte wirklich genug für jeden dabei gewesen sein. Außerdem waren auch die Bandmitglieder sichtlich gut gelaunt, und wir alle wissen ja dass das ansteckend ist (selbst oben am Podium, gefühlte 2km von der Bühne entfernt). Alex’ Ansagen waren auch alle lieb, was das Gesamtpaket wirklich komplett macht – die Menschen waren glücklich, die Band ausgepowert und zufrieden, und zum Schluss blieb nur noch eins: Nick McCarthy ließ sich einfach in „sein“ Publikum fallen – Körperkontakt macht schließlich heiß auf eine Wiederholung!

ah