Infadels, München, 59:1, 18.10.08

Man hätte mich sehen sollen, in dem Moment als ich die Gewinnbenachrichtigung bekam. Ich und die Infadels! Ich als Bandanhängsel! Ich als alles dürfende VIP, vor, während und nach dem Konzert – dank Mazda und Visions war mir das alles endlich vergönnt! Da ich bisher außer einem Buntstiftset bei einem Malwettbewerb für Sechsjährige selten was gewonnen hab, waren meine Nerven am Durchdrehen.

Am Tag der Wahrheit hatte ich dann mein Nervenkostüm wieder frisch gebügelt. Als ich am späten Nachmittag im 59:1 vorfuhr, wuselten bereits viele flinke Menschen über die Bühne und waren mit dem Aufbau beschäftigt. Infadels-Sänger Bnann Watts kam so schnell wie unauffällig um kurz nach 17 Uhr auf die Bühne und lieferte eine Akustikversion der beiden vom aktuellen Album stammenden Songs „Universe in Reverse“ und „Make Mistakes“. Gleich darauf trommelte er alle seine freundlichen Bandkollegen zusammen um mich vorzustellen. Trotz Müdigkeit vom Vorabend waren alle bestens gelaunt und ich jetzt doch etwas nervös. Innerhalb einer Sekunde waren alle meine vorbereiteten Fragen von meiner Festplatte gelöscht. Glücklicherweise sind die Infadels allesamt sehr redefreudige Menschen und die Blind-Date-Fragerunde lief von selbst!

Danach teilte mich Bnann zur Bühnendekoration ein. Gemeinsam zogen wir einer Schaufensterpuppe Infadels-Klamotten an und setzten ihr eine Discokugel auf. „Das Ding ist total schwer!“ tönte Bnann und schwupps, hatte ich das Ding auch schon auf dem Kopf. Ein seltsames Taubheitsgefühl fuhr mir durch die Beine, ich denke, die Kugel saß mir im Genick auf irgendeinem Nerv. Vermutlich kann man das auch auf dem Foto sehen, das Bnann lachend davon schoss.

Nächster Punkt auf der „Ich darf alles“-Liste war das Zusehen beim Soundcheck. Wie mir Gitarrist Matt Gooderson davor und danach versichterte: „That’s the least famous part of the day, I’m sorry if we look a little bored!”. Ich hab nichts davon gemerkt, aber ich war ja sowieso schon selig!

Wild geschminkt und verkleidet starteten die Jungs den Circus of the Mad. Die Stimmung unter dem Publikum war sensationell. Vom ersten Song an tanzten und sangen die Menschen mit. Songs vom alten wie vom neuen Album standen auf der Setlist. Heimlicher Star der Show: Keyboarder Richie Vernon. Er tanzte am Keyboard wie der Weiße Hase auf LSD, sogar bei langsameren Songs hat er kaum seine Sprunggelenke geschont. Irgendwann nahm er sich sogar ein Mikro und sprang in die Menge, nur um dort weiterzutanzen. Krönender Abschluss des Auftritts: das Eurythmics-Cover “Sweet Dreams”.

Hinterher wurde ich eingeladen, mit den Jungs backstage noch ein Bier zu trinken. Wirklich aufregend sind die heiligen Gemächer zwar nicht gewesen, aber dafür konnte man sich wenigstens mal in Ruhe unterhalten. Ein Teil von uns hat dann bis fünf Uhr früh die Tanzfläche gescheuert, bis man uns mit dem Besen rausgescheucht hat. Gehen lassen hab ich jeden einzelnen der Band aber nur unter einer Bedingung: wieder zu kommen!

ally