Okkervil River, München, Die Registratur 18.11.08
Obwohl schon vor Einlass vor den Türen der Registratur platziert, war das für uns mit dem Platz und der guten Sicht dieses Mal eher nix. Die lange Schlange, die vor uns schon wartete, hatte sich binnen Minuten in dem kleinen Raum ausgebreitet wie ein Algenteppich an der Mittelmeerküste. Uns blieb nur noch übrig, so weit wie möglich weg von der Eingangstür zu kommen. Irgendwo ganz hinten war dann noch ein Platz auf dem Sofa frei, von dem aus man zumindest auf der Lehne sitzend noch etwas sehen konnte.
Glücklicherweise wurde dafür die Vorband an diesem Abend eingespart. Irgendwie passte das ganz gut, Okkervil River pur zu sehen, ohne Geschmacksverstärker, der verzweifelt versucht die Fans einer anderen Band zum Speicheln zu bringen. Man sollte seine Sensoren sowieso komplett auf Okkervil River einstellen, denn es gibt da eine Menge zu verarbeiten: Die (an diesem Abend zwar seltenen, aber doch vorhandenen) langsamen, leisen, meist nur von Will Sheff und seiner Gitarre vorgetragenen Melancholie-Bomben. Die countryesken Folksounds. Die lebensgefährlichen Tanzeinlagen auf der 2m² großen Bühne. Oder auch die unzähligen Referenzen, die man in Okkervil River sehen und hören kann, wenn man nur genau hinsieht.
Will Sheff, eindrucksvoller Kopf und Mastermind der Band, sieht nämlich mit seinem Anzug, dem zerstrubbelten Pilzkopf und den Bewegungen mit der Gitarre auf den ersten Blick aus wie ein junger Paul McCartney. Die Songs, die mit Country-Gitarren unterlegt sind, erinnern ein wenig an Johnny Cash. Und in Bassist Patrick Pestorius’ Stimme wohnt ein kleinformatiger Elvis – schon hat man den Weihrauch der drei heiligen Könige der Rock’n’Roll Geschichte anheften wie einen Band-Button an der Brusttasche. Aber im Gegensatz zu den meisten relativ jungen Bands und Frischlingen der Szene, die sich mit diesen Einflüssen selbst beweihräuchern, können Okkervil River mit damit fantastisch umgehen, ohne in die Überheblichkeit abzugleiten.
Der Auftritt war schön gestaltet, die Auswahl der Songs hielt das Publikum bei Laune und die Gastspiele der Trompeten, Tamburins und Maracas passten perfekt. Die Tatsache, dass es einem Bassisten gelingt mit seinem Gesang so sehr zu beeindrucken, dass man sich nicht mehr an sein Bassspiel erinnern kann, ist auch neu. Und dann auch noch das John Lennon-Cover „Jealous Guy“: jede andere Band wäre vermutlich an diesem doch grenzwertigen Unternehmen zerbrochen – Okkervil River haben sich damit ein Podest gebaut!
Okkervil River - Jealous Guy
ally